Mein Leben mit InklusionMatthias Klei vor dem Bundeskanzleramt

 

Hier möchte ich verdeutlichen, was Inklusion in der Praxis bedeutet. Dafür möchte ich mich selbst als Beispiel nehmen. Besonders die folgenden vier aktuellen und relevanten Inklusionsthemen möchte ich hier berücksichtigen:

Lernen (Erziehung, Schule, (Aus-) Bildung)
• Arbeiten (Arbeit und Beschäftigung)
• Gemeinschaft (Wohnen, Alltag, Freizeit und Kultur im Sozialraum)
• Rehabilitation (Wiedereingliederung, Sport)

 

Keine Inklusion

Inklusion

Als ich geboren wurde, erzählten die Ärzte meinen Eltern, dass ich niemals in der Lage dazu sein würde, zu sprechen oder relativ gezielt meine Arme und Beine zu bewegen.

Meine Mutter besuchte mit mir verschiedene Ärzte und Fördereinrichtungen, um mir die bestmöglichen Voraussetzungen für ein eigenständiges Leben zu schaffen. Sie versuchte, mir alle Möglichkeiten direkt von Anfang an zu schaffen, um mich nicht später mühsam integrieren zu müssen.

Ich besuchte eine Schule für Menschen mit Behinderungen. Die Hälfte meiner Schulfreunde starb schon während meiner Schulzeit aufgrund ihrer Behinderungen. Das waren schlimme Erfahrungen.

Die Behindertenrechtskonvention sieht vor, eine Schule für alle anzustreben. Dieses wurde 1994 auf einer UNESCO-Weltkonferenz beschlossen.

Ich erwarb einen Schulabschluss. Trotzdem wollte man, dass ich in einer Werkstatt für Behinderte (WfB) arbeite. Nur ich wollte nicht.

Es ist wichtig, Menschen nach ihren individuellen Fähigkeiten zu beurteilen. Ich bin „nur“ körperlich behindert. Was spricht dagegen, einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt mit entsprechenden Voraussetzungen (z. B. Assistenz) zu haben?

Sollte ich in einer Werkstatt für Behinderte (WfB) arbeiten?

Nein! Ich bekam eine Stelle als Bürokaufmann bei einem ambulanten Pflege- und Sozialdienstleister. Durch die Möglichkeit der Arbeitsassistenz, bekam ich meine eigenen Assistenten, die mich bei meinen Arbeiten unterstützend begleiteten. Ebenfalls wurde mein Arbeitsplatz entsprechend meiner Behinderung barrierefrei gestaltet. Dafür wurde auch mein Arbeitgeber finanziell bezuschusst.

Ich wohnte noch bei meinen Eltern. Doch ich wollte gerne selbstständig werden.

Durch meine Berufstätigkeit hatte ich die Möglichkeit, in einer „normalen“ Umgebung Fuß zu fassen. In meinen eigenen vier Wänden konnte ich mir mit Hilfe der persönlichen Assistenz ein eigenes Leben aufbauen. Durch Hilfsmittel und barrierefreie Gegebenheiten kann ich mich relativ selbstständig bewegen.


Auch mein soziales Umfeld konnte ich mit Hilfe der persönlichen Assistenz aufbauen. Ich wollte anderen Menschen mit Behinderungen Mut machen, auch aktiv zu werden. So gründete ich einen Tauchverein, in dem soziale Kontakte geknüpft werden können und man sogar noch etwas für seinen Körper tut.

 

 

 

 

 

Durch diese Beispiele, die hier schematisch dargestellt wurden, möchte ich verdeutlichen, wie schwierig es sich derzeit noch gestaltet, Inklusion in der Praxis zu leben. Dennoch funktioniert es und ich möchte allen Beteiligten Mut machen, die Kraft zu investieren, für ihre eigenen Inklusionsthemen zu kämpfen. Es wird möglicherweise noch lange dauern, bis ein nachhaltiger Erfolg eingetreten ist, doch wenn alle an einem Strang ziehen, kann und wird es funktionieren. Vielleicht erkundigen Sie sich in Ihrer Stadt, was dort angeboten wird, schließen Sie sich Gruppen an, nutzen Sie das Internet für weitere Informationen oder sehen Sie sich meine Inklusion - Links zum Thema Inklusion an. Es lohnt sich!

Hubert Hüppe war von 2009 bis 2013 Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen

 

Was ist Inklusion?  | Behindertenrechtskonvention  Forderungen  Links zum Thema Inklusion

 

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