Meine Person

Mein Name ist Matthias Klei und ich bin im Jahr 1970 in Ostwestfalen-Lippe geboren. Seit meiner Geburt bin ich körperbehindert und auf den Rollstuhl angewiesen.

 

Meine berufliche Tätigkeit

Ich arbeite in Bielefeld für den Verein Alt und Jung Süd-West e. V., welcher ambulante Pflege und soziale Dienstleistungen in und um Bielefeld herum anbietet. Dieser ist im Jahre 2005 aus dem damaligen Verein Alt und Jung e. V. hervorgegangen. Dort habe ich verschiedene Funktionen übernommen. So habe ich von der Einführung der EDV-gestützten Entgeltabrechnung, über die Beteiligung am Aufbau einzelner Wohnprojekte und der Etablierung des Bereiches der Individuellen Schwerstbehindertenbetreuung nach SGB IX („ISB“) bis hin zur Tätigkeit auf der Geschäftsführungsebene viele Prozesse durchlaufen und Aufgaben übernommen. Mein besonderes Augenmerk richtet sich, natürlich auch aus eigenem Interesse, auf den ISB-Bereich. Diesbezüglich halte ich bundesweit fachliche Vorträge oder führe fachpraktische Seminare zum Thema „Welche Anforderungen stellen Menschen mit Behinderung an ihre Pflegekräfte und wie können diese gut umgesetzt werden?“. (Seminare - Für beide Seiten ein Gewinn)

 

Beruflicher Werdegang

Zunächst habe ich beim Verein Alt und Jung e. V. als Bürokaufmann angefangen zu arbeiten. Anschließend habe ich eine Ausbilderprüfung in der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld absolviert, um sowohl für den Verein Alt und Jung Süd-West e. V. ein neuer Ausbilder zu sein, als auch für andere Menschen mit Behinderung eine neue Möglichkeit zu schaffen, einen Weg ins Berufsleben zu finden. Ich war der erste körperbehinderte Mensch, der in der  Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld an einer Ausbildungseignungsprüfung teilgenommen hat. So musste ich einige Hürden bewältigen, denn dort waren nicht alle von meinen Ideen und meinen Fähigkeiten überzeugt.

Das allerdings kannte ich bereits. Auch vor dem Beginn meiner Ausbildung wollte man mir diese nicht finanzieren, da ich wohl in vielen Augen auf dem ersten Arbeitsmarkt als nicht wettbewerbsfähig erschien. Stattdessen sollte ich in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten. Als ich merkte, dass das meine Perspektive sein sollte, strengte ich mich schulisch in den letzten zwei Jahren der Körperbehindertenschule noch einmal so richtig an. So konnte ich den Hauptschulabschluss erlangen. Trotz erneuter anschließender Widerstände besuchte ich die Handelsschule, auf der ich die Fachoberschulreife absolvierte.

Danach haben die Ausbilder gesehen, dass ich eine ausgeprägte Willenskraft und die notwendige Durchsetzungskraft habe, um die Ausbildung als Bürokaufmann zu beginnen. So wurde mir doch noch nach einem Berufsbildungsjahr die Ausbildung zum Bürokaufmann mit Zusatzqualifikation zum Telearbeiter finanziert. Diese gesamte Zeit verbrachte ich in einem Internat. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung bin ich wieder zurück in mein Elternhaus gezogen und habe von da aus zahlreiche Bewerbungen für den Bereich der Telearbeit geschrieben, damit jedoch keinen Erfolg verbuchen können.

 

Arbeitsglück durch Wohnungssuche

Da ich bereits während der Ausbildung außerhalb meines Elternhauses wohnte, war es neben einer Berufsanstellung mein größter Wunsch in eine eigene Wohnung zu ziehen. Jedoch wusste ich noch nicht genau, wie ich die Wohnungspläne in die Tat umsetzen und vor allem finanzieren sollte. Insbesondere stellte mein Assistenzbedarf eine große Herausforderung für mich dar.

Schließlich bekam ich einen Tipp, mit dem Verein Alt und Jung e. V. in Bielefeld ein Beratungsgespräch in Wohnungsangelegenheiten zu vereinbaren. Vorbereitend darauf wurde in einem Telefonat mit Alt und Jung e. V. ein Anamnesebogen erhoben, in dem ich in einem Nebensatz erwähnte, dass ich ein arbeitsuchender Bürokaufmann bin. Nach ein paar Tagen bekam ich einen Rückruf, bei dem ich zu einem Beratungsgespräch eingeladen wurde. Dabei klang bereits die Möglichkeit eines Jobangebotes für mich an. In dem Moment wusste ich natürlich gar nicht, was mit mir geschah. Als ich schließlich in dem Beratungsgespräch für die Wohnungsangelegenheit saß, wurde mir schnell klar, dass es sich nicht um ein Beratungsgespräch, sondern vielmehr um ein Vorstellungsgespräch für eine kaufmännische Tätigkeit in dem Verein handelte. Daraufhin wurde ein viermonatiges Praktikum vereinbart, in dem ich selbst meine Schwerpunkte setzen konnte.

Nach dem viermonatigen Praktikum, welches sehr positiv verlief und welches mir sehr gut gefiel, erhielt ich an meinem 28. Geburtstag ein ganz erfreuliches Geschenk und konnte meinen unbefristeten Arbeitsvertrag unterschreiben. So arbeite ich jetzt seit 1998 bei dem Verein Alt und Jung e. V. (seit Juli 2005 in dem daraus hervorgegangenen Alt und Jung Süd-West e. V., ambulanter Pflegedienst und soziale Dienstleistungen) in den verschiedensten Bereichen. Von der Idee, eine Wohnung zu bekommen, nahm ich zu der Zeit erst einmal etwas Abstand, da es mir viel wichtiger war, mich zunächst auf meine berufliche Karriere zu konzentrieren. So habe ich noch ungefähr vier Jahre bei meinen Eltern gelebt.

Durch meine beruflichen Tätigkeiten bei dem Verein, konnte ich viele Erfahrungen sammeln und vor allem rechtliche Hintergründe in Erfahrung bringen. Mit diesen neuen Informationen konnte ich mich auf den Weg machen, in Bielefeld eine neue Wohnung zu finden. Seitdem lebe ich in einer eigenen Wohnung und werde von einem Team aus Mitarbeitern begleitet. (Stellenangebote)

Karriere aktuell

Auch mein Arbeitsbereich hat sich inzwischen verändert. Der Verein hat sich in zwei Vereine geteilt, Alt und Jung Süd-West e. V. und Alt und Jung Nord-Ost e. V.. Ich arbeite nun seit Januar 2011 in einer verantwortlichen Leitungsposition im Verein Alt und Jung Süd-West e. V. und war zudem zwischen Dezember 2007 und Februar 2012 im Verein Alt und Jung Nord-Ost e. V. in einer Vorstandsposition tätig.

 

Inzwischen konnte ich durch meine beruflichen wie auch privaten Tätigkeiten immer wieder feststellen:

 

Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen!

Mit (m)einer positiven Lebenseinstellung, (m)einem gesunden Selbstbewusstsein und dem nötigen Durchsetzungsvermögen konnte ich mit dem Rückhalt, den ich erfahren habe, und auf der Basis der Berufsausbildung und Berufserfahrung bislang Einiges erreichen, was vor einiger Zeit noch niemand gedacht hätte.

Aber damit ist noch lange nicht Schluss, denn meine Grenzen bestimme und erweitere ich gern selbst. Das ist anhand meiner persönlichen Projekte zu sehen - ganz nach dem Motto des berühmten Liedes von Phil Collins: "On my way".

Zum Nachlesen: Der Text des Liedes "On my way"

 

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